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Cake day: June 29th, 2023

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  • Ich kann trotzdem empfehlen es zu lesen, sind schon auch gute Seiten daran. Die Entfremdung die der Hauptcharacter fühlt ist zB sehr gut beschrieben.

    Gegen einige meiner Kritiken sind im Text auch Argumente eingebaut, aber meistens leider nicht konsequent genug umgesetzt. Eine Figur sagt z.B. mal irgendwann, dass nicht nur Bücher die Funktion von Wissensvermittlung und Denkanstößen liefern können, sondern auch andere Medien. Das ist aber halt ein Satz, in einem Buch was sonst alles tut um das Gegenteil zu behaupten. Genauso sagen die Harvard-Brüder, dass sie als Individuum nicht wichtig oder besonders sind, aber sie sind gleichzeitig davon überzeugt dass sie der Menschheit die Flamme des Wissens zurückgeben können, als wären sie lauter kleine Prometheuse.


  • Fahrenheit 451 von Ray Bradbury stand schon lange auf meiner Liste. Jetzt habe ich es endlich gelesen. Allerdings hatte ich vielleicht zu hohe Erwartungen, denn am Ende war ich enttäuscht.

    Zunächst das Positive: Bradbury war in Bezug auf die technologische Entwicklung der Unterhaltungsmedien durchaus prophetisch. TikTok hätte ihn sicher umgehauen. Was er jedoch nicht voraussehen konnte, ist, dass das Internet und Social Media uns zu aktiven Teilnehmern machen, die eher überfordert als eingeschläfert werden. War aber auch schwer zu sehen damals. Auch finde ich seine Sprache toll, die voller schöner Metaphern und poetischer Beschreibungen ist.

    Nun zur Kritik: Bradbury kommt mir in seiner Haltung extrem konservativ vor, ein alter Mann, der Angst vor der neuen Technik hat. Er erkennt nicht, dass auch das Fernsehen oder Audiomedien tiefgründige Botschaften transportieren können. Die Bücher, die er als Schatz des Wissens hochstilisiert, sind allesamt Klassiker weißer Männer aus der Vergangenheit, die zu seiner Zeit alles andere als radikal waren. Besonders befremdlich ist für mich sein Fokus auf die Bibel als Quelle transformativen Wissens. Frauen sind hier Zombies, die sich den ganzen Tag beschallen lassen, oder naiv fragende Kinder. Auch die Darstellung der Bevölkerung, die nicht liest, als unmündige Schafe, die am Ende wegen ihrer Blindheit im nuklearen Holocaust untergehen, und denen der Protagonist und seine Harvard-Jungs-Truppe keine Träne nachweinen, offenbart eine zutiefst elitäre Sichtweise auf das Thema. Ein Klassenbewusstsein oder eine strukturelle Analyse der Machtverhältnisse und Mechanismen, die sie versklaven, sind nicht vorhanden. Stattdessen sind sie selbst schuld an ihrer Ausbeutung, da sie ja nicht mehr lesen oder denken wollten. Ihr Tod wird nicht als schreckliches Verbrechen, sondern als Neuanfang gesehen, der ein neues, von den erleuchteten Lesern geprägtes Zeitalter des Wissens einleitet.


  • If I understand what you’re saying correctly we are largely on the same page about this… class mobility upward is almost impossible. Classes are usually discriminatory against other classes (sometimes even towards higher classes). This makes actual class mobility very hard. People have to mask as having always belonged to a certain class by acquiring the correct signifiers.

    What I am not sure I agree with, or maybe I just don’t understand it, is the point about dimensions of class. People are more than just the job they do. An aristocrat who is living off inheritance has about the same amount of actual working experience that a low class individual who can’t get a job has. They both don’t work, but since the aristocrat has a bunch of capital which the low class person doesn’t have they are on opposite ends of the spectrum.

    Idk why you were getting those downvotes. I’ll check out Fussel if I get the chance.


  • Not saying caste system is better, both are terrible. We should strive to abolish both.

    But to your point about class mobility: You can always move down in class, up is neigh impossible. Thinking that money will help you move up is only a carrot that the upper class dangles in front of the poor. Class is not only determined by wealth, it is determined by capital. Capital encompasses not only financial and economic capital, but also social capital, intellectual capital, cultural capital, etc. To move up in class you will have to acquire enough of all of these, just money isn’t enough. If you don’t have the same manners, vocabulary, friends, status symbols and don’t consume the the same media you will never be accepted and only be considered a nouveau rich and a gaudy buffoon. Your lifestyle will be better than that of the rest of your class, but the higher class will never accept you as one of their own. Your kids might be able to move up, if you put them in the right school so they can absorb some of that social capital and learn the language, acquire the correct manners and make the right friends. But you will very likely be forever stuck in the same class that you were born in, unless you move down.

    There is a Philosopher called Hanno Sauer who wrote a book about this. I don’t agree with his conclusion that we cannot overcome class, but he does make some good points about its nature.


  • Ich habe „Der Verdacht“ von Friedrich Dürrenmatt gelesen. Bisher wahrscheinlich mein Lieblingskrimi von ihm. Komissär Bärlach liegt in diesem Teil im Sterben und ermittelt nur aus dem Bett. Die Handlung ist nicht weiter komplex aber sie bietet den Rahmen für viele interessante Gedanken über den Tod, woran Menschen Glauben und wie sie vom Glauben abfallen, warum Menschen Böses tun und ob man Böses auch aus gutem Grund tun kann. Gleichzeitig klagt Dürrenmatt hier auch die Schweizer an, die sich für ihre Unparteilichkeit im 2 Weltkrieg loben und die in dieser Zeit aber vielleicht trotzdem einiges an Schuld auf sich geladen haben.

    Außerdem habe ich „Der Doppelgänger“ von Dostoevsky gelesen. Das war eine Fortsetzung meiner letzten Wochen und hat mir auch gut gefallen. Auch wenn man hier merkt, dass es zum Frühwerk des Autors gehört und noch von etwas Schliff hätte profitieren können erkennt man schon einige von Dostoevskys Stärken die er in späteren Erzählungen perfektioniert. Die Handlung ist sehr ähnlich wie bei Gogols Tagebuch eines Wahnsinnigen, auch hier zerbricht mal wieder ein Titularrat an seiner überflüssigen gesellschaftlichen Position, aber wo Gogol übertreibt und sich lustig macht löst Dostoevsky das ganze psychologisch auf.



  • Das ist ein nettes Angebot, missversteht aber grundsätzlich die Motivation hinter dem besprayen von Zügen.

    Ziel ist, dass der Wagen das eigene Motiv durch die ganze Stadt verbreitet. Teil des Reizes ist auch dass man erwischt werden könnte. Wenn man seinen Namen auf nem kompletten Zug hat, sehen alle (die Teil der Community sind) wie krass man ist.

    Außerdem ist eine wichtige Komponente des Graffiti für viele der Vandalismus. Es ist ein Form des künstlerischen Wiederstands gegen das System, Getrifizierung und die bürgerliche Ordnung. Ein Fuck You an alle, die denken, dass Graffiti nur Geschmiere oder Sachbeschädigung ist. Wenn sich also jemand darüber aufregt erzielt der Künstler damit die gewünschte Wirkung. Deshalb werden solche Leute nie mit legalen Wänden zufrieden zu stellen sein. Wer auf legalen Wänden sprayt macht kein Graffiti, sondern Streetart.

    Bin selbst nicht mit der Dose aktiv und teile auch nicht alle diese Ansichten aber freue mich immer wenn ich irgendwo ein schönes Piece rumfahren sehe. Das macht den Alltag weniger grau.


  • Ich habe eine russische Woche Hinter mir:

    Nikolai Gogol / Der Revisor:

    Zuerst habe ich Gogols berühmtestes Theaterstück gelesen, „Der Revisor“. Das war ganz okay, eine archetypische Geschichte über Verwechslungen. Besonders gut hat mir gefallen, dass es eigentlich keine moralischen Charaktere gab. Alle sind verdammt korrupt, wissen das auch und rechtfertigen ihre eigene Korruption pausenlos. Aber insgesamt hatte ich von einem der berühmtesten Autoren Russlands etwas mehr erwartet.

    Nikolai Gogol / Petersburger Erzählungen:

    Dann habe ich mich an seine Petersburger Erzählungen (Der Nevski-Prospekt, Das Porträt, Die Nase, Der Mantel und Tagebuch eines Verrückten) gemacht. Es sind fünf, und ich fand sie alle großartig, einige sogar brillant. Am besten haben mir „Der Mantel“ und „Tagebuch eines Verrückten“ gefallen. Es handelt sich um in vielerlei Hinsicht ähnliche Geschichten über Bürokraten, die von der Gesellschaft ignoriert und vergessen werden, aber sie entwickeln sich zu ganz unterschiedlichen Lösungen. Die anderen waren ebenfalls großartig bis zumindest ziemlich gut.

    Soweit ich weiß, geht viel von Gogols charakteristischem Stil, dem sogenannten Skaz, in der Übersetzung verloren, aber was übrig bleibt, ist dennoch eine sehr schöne Schrift. Es ist hilfreich, etwas über die russische Bürokratie, Namen, Statussymbole der damaligen Zeit und ein Konzept namens „poshlost“ (Nabokov definiert es unter anderem als kitschigen Schund, vulgäre Klischees und falsche Tiefgründigkeit) sowie über Skaz selbst zu wissen, um das Lesevergnügen zu steigern, aber ich bin mir sicher, dass es auch Spaß macht, einfach zu lesen und zu sehen, was man ohne all das daraus mitnimmt.

    Ivan Turgenev / Tagebuch eines Überflüssigen:

    Das ist die Synthese aus Gogol und Lermontov. Turgenev übernimmt von Gogol den Skaz und den überflüssigen Menschen von Lermontov. Das Ergebnis ist ein Tagebuch, das der Protagonist zwei Wochen vor dem Tod beginnt, und in dem er noch einmal Schlüsselerlebnisse seines Lebens aufarbeitet. Turgenev hat hier einiges an eigener Erfahrung und Frustration reingepackt, weshalb vieles hier sehr psychologisch akkurat beschrieben ist. Allerdings ist der Protagonist so von seinen eigenen Unsicherheiten gelähmt, dass es sich manchmal etwas frustrierend Anfühlt. Das ist aber auch gewollt, die Unsicherheit macht die gefühlte Überflüssigkeit zur selbsterfüllenden Prophezeiung.



  • Having a Gogol Week.

    First I read his most famous play, „The Government Inspector“. It was alright, an archetypal story of mistaken identity. I liked especially that it didn’t really have any moral characters. Everybody is crooked as hell and everyone knows it and rationalises their own corruption. But overall I kinda expected more from one of Russias most famous authors.

    So then I got into his Petersburg Stories (The Nevski Prospect, The Portrait, The Nose, The Overcoat and Diary of a Madman). There are five of them, and I really thought they were all great and some even brilliant. I enjoyed most „The Overcoat“ and „Diary of a Madman“. These are in many ways similar stories about Bureaucrats ignored and forgotten by society, but they develop into quite different resolutions. The others were also great to pretty good at least.

    From what I hear a lot of Gogols signature style, the so called Skaz, gets lost in translation, but what remains was still pretty beautiful writing. It helps to get some background on Russian bureaucracy, names, status symbols at the time and a concept called „poshlost“ (Nabokov defines it as corny trash, vulgar clichés and bogus profundity, amongst others), as well as Skaz itself to enhance the reading, but I’m sure it’s also enjoyable to just read and see what you get from it without all that.

    Next I’ll probably get to „Lost Souls“. This was supposed to be part 1 of three in his magnum opus, but in his later live he got very christian and never got around to finishing it, burning the second volume and never even starting with the third. From what I hear volume one is a closed story tho, and it might be better he didn’t finish it after getting very religious…

    Anybody here read it? What was your experience with Gogol?


  • Hab ne kulturelle Woche hinter mir…

    Donnerstag war ich im Theater in „Love me Tender“, basierend auf dem gleichnamigen Roman. Ein Stück über eine Frau, die ihren Mann verlässt, den gut bezahlten Job aufgibt, ihre Wohnung verliert und auch sonst allen Luxus hinter sich lässt um mit Frauen Sex zu haben und ein Buch zu schreiben. Leider bleibt dabei auch ihr Sohn auf der Strecke, den ihr ex ihr durch Sorgerechtsstreits entzieht. Wenn die Hauptperson männlich wäre, wäre dieses Stück eine stereotype Scheidungsgeschichte. Aber die Hauptperson ist weiblich, weshalb viele der Dynamiken anders verlaufen, sie ist deutlich schwächer gestellt und gesellschaftlich weniger akzeptiert. Trotzdem hatte ich am Ende zwar Verständnis, aber wenig Sympathie für die Hauptfigur. Die Beziehung zu ihrem Sohn scheint sie aus egoistischen Gründen weiterführen zu wollen, was der Sohn dabei denkt ist nicht so wichtig. Bindungen, Liebe, Mutterschaft sind für sie Schimpfworte, die sie auf der Suche nach der persönlichen Freiheit behindern. Die Inszenierung hat mir gut gefallen, bis auf die Hauptperson gab es keine weitere Schauspieler, sie wurde aber von 3 Schauspielerinnen gleichzeitig gespielt. Auch das eher karge Bühnenbild hat gut gepasst.

    Den Rest der Woche habe ich vie gelesen:

    Mikhail Lermontov/ Ein Held unserer Zeit: Ein faszinierendes Werk über einen einst als dunklen Helden angesehenen Charakter, das heute jedoch eher wie das Tagebuch eines Narzissten wirkt. Als es geschrieben wurde, schien die Hauptfigur eine etwas ambivalente Persönlichkeit zu sein, ein machiavellistisches Genie, das ignorante gesellschaftliche Konventionen missachtet und alle Menschen in seiner Umgebung manipuliert. Ein dunkler Held, wie Byron ihn beschrieben hätte. Für einen modernen Leser geht jedoch das meiste davon verloren. Petschorin wirkt eher wie ein nervöser Aufreißer, der sich um nichts kümmert und sich hinter einer Maske vorgegebener Berechnung versteckt.  Lermontov war ein Genie in der Art und Weise, wie er diese Geschichte erzählt. Es war eine großartige Entscheidung, zuerst andere Menschen über seinen Protagonisten erzählen zu lassen und dann den Protagonisten selbst zu seinem unzuverlässigen Erzähler zu machen. Lermontovs Bemerkung, dass der Titel des Buches ironisch sein könnte oder auch nicht, verleiht ihm die notwendige Mehrdeutigkeit. Ich habe es wirklich genossen, dieses Buch von vorne bis hinten zu lesen.

    Voltaire / Candide: Ein so altes und grundlegendes Werk zu beurteilen, ist immer mit gewissen Herausforderungen verbunden. Einerseits sieht man deutlich, dass es zu seiner Zeit wahrscheinlich revolutionär war und einen Paradigmenwechsel darstellte. Andererseits kennt man bereits die Konzepte und Ideen, die sich daraus entwickelt haben, und diese sind möglicherweise besser durchdacht, da sie die hier vorgestellten Ideen weiterentwickeln. Vor allem Humor ist schwierig, da er auf einem Kontext basiert, der modernen Lesern möglicherweise fehlt. Candide macht vieles sehr gut, aber manchmal ist es etwas zu offensichtlich, was es darstellen will, fast schon bis zur Ungeschicklichkeit. Ich habe es gerne gelesen, aber insgesamt hat es mich nicht so sehr beeindruckt wie vielleicht die Leser, als es zum ersten Mal veröffentlicht wurde.

    E.T.A. Hoffmann / Der Sandmann: Hoffmann hat hier für seine Zeit mit Sicherheit etwas spannendes und innovatives geschaffen, aber mich persönlich hat es leider nicht umgehauen. Das liegt vor allem daran, dass die Figur des Sandmanns eine viel kleinere Rolle spielt, als zunächst angenommen. Coppolla wird am Anfang als bedrohliche Mephisto Figur mit alchemistischen Fähigkeiten auf gebaut, irgendwann dann aber von Olimpia verdrängt. Für mich fühlt sich das zuweilen fast wie zwei Geschichten an, die verschmolzen wurden. Die eine behandelt den mythische Sandmann, die andere die emotionslose Automatendame.
    Worin Hoffmann jedoch gut ist, das ist bei der Verwendung von Motiven, Symbolen und erzeugen von mystischer oder bedrohlicher Stimmung. Das hätte damals so einiges für den Deutschunterricht hergegeben und ist deshalb sicher auch heute noch dort beliebt. Auch die Ambivalenz ob sich Nathanael alles nur einbildet, eine Psychose erleidet oder der Sandmann wirklich existiert war eine gute Wahl.


  • I know a lot of people don’t like AI and I also feel some kinda way about it, but I found it pretty helpful here. There aren’t many people who read as much or are into the kind of books that I am in my circle, so I can’t really cover this via social connections outside the internet.

    How it works: write a list with all the books you read in the past, plus how you rate them. Put that into whatever AI and tell it to suggest some books with a short spoiler free paragraph on why it would be a good suggestion.

    Sometimes I ask for stuff that fits with what I already read, sometimes I ask it to suggest stuff that might cover blind spots or perspectives that I haven’t covered yet. So far I’ve enjoyed most suggestions and found some books I wouldn’t have found otherwise.

    I read mostly classics, so if you’re into newer stuff it might not be as up to date.





  • Yo I sympathise with the sentiment and it is really fucked that there is so little done about that stuff.

    But, and I don’t mean this as an attack, you sound like you could use a news break for a while and maybe talk to someone in person. Sitting in bed at noon crying is definitely a sign of stuff being a bit out of balance and sometimes shit just gets too much to handle on your own in our time of flooding the zone with shit and hypernormalisation…



  • Ich stimme dir zu Kafka voll zu. Am Ende ist die Ambivalenz ja eine seiner größten Stärken. Es ist egal ob der Prozess für das Himmlische Gericht, den Kapitalismus, den Kampf mit dem eigenen Über-Ich, Depression und Burnout oder was weiß ich alles steht. Die Gefühle und psychologischen Zwänge sind universell und Teil des Mensch-Seins.

    Catcher ist soweit ich weiß schon immer umstritten. Erst waren konservative entsetzt, dann die Linken dagegen. Ich bin sicher mein take ist nicht besonders originell und es gibt schlauere und präzisere Kritiken und Analysen. Vielleicht macht die kontroverse Natur das Stück zu einem interessanten Spiegel der Zeit. Mir hat es trotzdem nicht gefallen, besonders mit dem Hintergrund als Schullektüre.